OPUS

Planungsintervention in der Raucherentwöhnung: Machbarkeit und Wirksamkeit im klinischen Setting

Planning intervention in smoking cessation: feasibility and efficacy in a clinical setting

  • Hintergrund: Rauchen gilt als eine der am häufigsten vermeidbaren Todesursachen. Deshalb kommt der Veränderung von Rauchgewohnheiten eine wichtige Bedeutung zu. Ein Modell, das als theoretischer Rahmen dieser Arbeit dient und sich zur Vorhersage von Gesundheitsverhalten bewährt hat, ist das Sozial-kognitive Prozessmodell gesundheitlichen Handelns (HAPA). Ein Hauptproblem bei der Veränderung von Risikoverhaltensweisen ist die Nichtumsetzung der Aufhörintention in Verhalten. Das HAPA Modell benennt zwei Prozesse, die hierbei unterstützen sollen: Handlungsplanung (Verknüpfung geeigneter Situationen mit dem Zielverhalten) und Bewältigungsplanung (Antizipieren von Hindernissen und Strategien zur Überwindung der Hindernisse). Planungsinterventionen, die gezielt zu Planungsverhalten anleiten, haben sich für viele Verhaltensweisen bewährt. Die Kombination von Handlungs- und Bewältigungsplanung sollte dabei besonders wirksam sein, wurde aber für die Veränderung des Rauchverhaltens noch nicht untersucht. Voraussetzung für die Wirksamkeit von Planungsinterventionen ist eine vorhandene Aufhörintention. Außerdem wird angenommen, dass Pläne bestimmte Eigenschaften haben müssen. Die Funktionalität, Genauigkeit, Anzahl und die Vollständigkeit der Pläne können hierfür als Kriterien herangezogen werden. Das Krankenhaus sollte sich als Setting eignen, um Planungsinterventionen anzubieten, da der Krankenhausaufenthalt einen teachable moment darstellen sollte. Ziel: Ziel der Studie ist es zu untersuchen, ob eine Planungsintervention zur Unterstützung aufhörmotivierter RaucherInnen in einem Krankenhaus durchführbar ist und zur Veränderung des Rauchverhaltens beitragen kann. Dabei soll eine kombinierte Handlungs- und Bewältigungsplanung an einer klinischen Stichprobe RaucherInnen geprüft werden. Die Intention und die Ausprägung der Planeigenschaften sollen in die Analysen einbezogen werden. Methode: Durchführung einer randomisiert kontrollierten Studie mit drei Messzeitpunkten. Rekrutierung aufhörmotivierte RaucherInnen in den Anästhesieambulanzen der Charité Berlin. Ausfüllen eines Basisfragebogens (T0). Prä-Befragung nach elektiver Operation (T1) auf Station. InterventionsteilnehmerInnen erhielten zusätzlich ein Planungsblatt (Anleitung zur Handlungs- und Bewältigungsplanung). Vier Wochen später wurde ein Follow up- Fragebogen zugesandt (T2). Ergebnisse: Es nahmen N=108 RaucherInnen an der Untersuchung teil. Davon waren N=46 in der Interventionsgruppe. Interventionsunabhängige Verhaltensänderungen unterstützen die Annahme, dass im Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt eine erhöhte Bereitschaft zur Verhaltensänderung besteht. Außerdem fand sich ein vergleichsweise hoher Anteil aufhörmotivierter RaucherInnen. Ein höherer Anteil Männer, höherer Anteil stärker abhängiger RaucherInnen sowie RaucherInnen mit früherem Raucheinstieg und mit einer geringeren Aufnahmeselbstwirksamkeit haben die Intervention nicht angenommen. Die Planungsintervention hatte keinen direkten Einfluss auf die Veränderung des Rauchverhaltens. Unter Berücksichtigung der Höhe der Aufhörintention zeigte sich: InterventionsteilnehmerInnen mit geringerer Aufhörintention hatten ihr Rauchverhalten wahrscheinlicher und stärker verändert als KontrollgruppenteilnehmerInnen mit geringer Intention. Unter Berücksichtigung der Planeigenschaften zeigte sich: Je geringer die Genauigkeit beziehungsweise Vollständigkeit der Handlungspläne und je höher die Genauigkeit beziehungsweise Vollständigkeit der Bewältigungspläne, desto wahrscheinlicher beziehungsweise stärker war die Verhaltensänderung. Die Anzahl der Hindernisse und die Anzahl der Strategien hatte jeweils einen Einfluss darauf, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich das Rauchverhalten zu T2 verändert hatte. Diskussion: Die Ergebnisse der Studie unterstützen die Annahme, dass sich das Krankenhaus eignen sollte, aufhörmotivierten RaucherInnen Planungsinterventionen anzubieten. InterventionsteilnehmerInnen mit geringer Aufhörintention profitierten von der Planungsintervention. Sie hatten ihr Rauchverhalten mit gleicher Wahrscheinlichkeit und gleich stark verändert, wie Interventions- und KontrollgruppenteilnehmerInnen mit hoher Aufhörintention. Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass Planungsinterventionen einen ausgleichenden Effekt auf eine geringere Aufhörintention haben können. Die Ergebnisse der Studie weisen auch darauf hin, dass die Handlungsplanung der positiven Wirkung der Bewältigungsplanung entgegengewirkt zu haben scheint. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum sich zwischen Interventions- und KontrollgruppenteilnehmerInnen mit hoher Aufhörintention kein Unterschied findet. Die Gestaltung der Intervention zur Anwendung in der Raucherentwöhnung sollte zukünftig auf die Anleitung zur Bewältigungsplanung beschränkt und eine möglichst hohe Anzahl, Genauigkeit und Vollständigkeit an Bewältigungsplänen unterstützt werden.
  • Background: Smoking is one of the most common preventable causes of death. As such, changes in smoking habits are of great importance. A model that serves as a theoretical framework for this work and has proven to predict health-related behaviors is the health action process approach (HAPA). A central issue in changing risk behaviors is the failure to implement the intention to stop in behavior. The HAPA model identifies two processes that should support this: action planning (linking suitable situations with the target behavior) and coping planning (anticipating obstacles and strategies to overcome those obstacles). Planning interventions that guide specifically towards planning behavior have proven successful with many behavior patterns. The combination of action and coping planning should be particularly effective here, but has not been investigated for changing smoking behaviors. An existing intention to quit is prerequisite for planning interventions. It is also hypothesized that the plans must have certain characteristics. The functionality, specificity, quantity, and comprehensiveness of the plans can be used as criteria for this purpose. The hospital should be a suitable setting in which to offer planning interventions, since the hospital stay should represent a teachable moment. Objective: The objective of this study is to investigate whether a planning intervention in a hospital to support smokers that are motivated to quit is feasible and can contribute to a change in the smoking behavior. In doing so, a combination of action and coping planning is to be tested on a clinical sampling of smokers. The intention and characteristics of the plans are to be included in the analyses. Method: Implementation of a randomized controlled study with three times of measurement. Recruitment of smokers who are motivated to quit in the pre-op clinic of anesthesiology at Charité Berlin. Filling out of a basic questionnaire (T0). Pre-questioning after elective procedure (T1) in the hospital ward. In addition, intervention participants received a planning sheet (instructions for action and coping planning). Four weeks later, a follow up questionnaire was sent (T2). Results: N=108 smokers took part in the study. Of those, N=46 were in the intervention group. Behavioral changes independent of intervention support the hypothesis that there is an increased willingness to change behavior associated with a hospital stay. Furthermore, there was a relatively high proportion of smokers that were motivated to quit. A higher proportion of men and heavily addicted smokers, as well as smokers who began smoking earlier, and with lower adoption self-efficacy did not opt for the intervention. The planning intervention had no direct influence on the change in smoking behavior. Regarding the level of intention to stop: changes in the smoking behavior of intervention participants with low intention to quit were both more likely and greater than those of the control group participants with low intention. Regarding plan characteristics: the lower the specificity or comprehensiveness of the action plans and the higher the specificity or comprehensiveness of the coping plans, the more likely or greater the change in behavior. The number of obstacles and number of strategies respectively influenced the probability of change in the smoking behavior of T2. Discussion: The results of the study support the hypothesis that the hospital should be a suitable setting to offer planning interventions to smokers that are motivated to quit. Intervention participants with low intention to stop benefitted from the planning intervention. Changes in smoking behavior were equally likely and equally as great as with the intervention and control group participants with higher intention to quit. The results of the study suggest that planning interventions can counteract a lower intention to quit. The results of the study also suggest that the action planning appears to have worked against the positive effect of the coping planning. This could be an explanation for why there was no difference between intervention and control group participants with high intention to stop. Future development of the intervention for the implementation of smoking cessation should be limited to guidance for coping planning and be supported by the highest possible quantity, specificity, and comprehensiveness of coping plans.

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Metadaten
Author:Katharina Will
URN:urn:nbn:de:bsz:752-opus-234
Advisor:Katharina Will
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):2015/06/02
Publishing Institution:Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd
Granting Institution:Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Fakultät I
Date of final exam:2014/06/24
Release Date:2015/06/02
Tag:Bewältigungsplanung; Handlungsplanung; Planungsintervention; klinisches Setting
action planning; clinical setting; coping planning; planning intervention; smoking cessation
GND Keyword:Planung; Raucherentwöhnung
To order the print edition:452674514
Institutes:Fakultät I / Institut für Humanwissenschaften
Dewey Decimal Classification:100 Philosophie und Psychologie / 150 Psychologie
Licence (German):License LogoVeröffentlichungsvertrag mit Print-on-Demand

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